4-tägige Reise “Helsinki” im Juni 2019

Tag 1:

Der Flug mit Lufthansa ist problemlos – bei der Ankunft in Helsinki entscheiden wir uns für die Variante „Taxi“, um möglichst schnell zu unserem Hotel zu gelangen; schnell stimmt – der Taxifahrer nimmt Abkürzungen durch Straßen, die wir noch nicht mal mit dem Fahrrad fahren würden – im Nachhinein aber doch ganz schön teuer, denn uns wurde ein Fixpreis von 43 Euro angeboten, der uns zunächst recht günstig erschien. Aber, wie gesagt, wir wollten so schnell wie möglich zum Hotel kommen, um anschließend die Innenstadt erkunden zu können!

Der erste Eindruck während der Taxifahrt war der einer Großbaustelle mitten in Helsinki und wir dachten beide das Gleiche: Hoffentlich liegt unser Hotel nicht an DIESER Straße!! Nein, lag es nicht! Dafür haben Sie es toll ausgesucht, denn wir konnten wirklich ALLES zu Fuß erreichen. Auch wenn das Hotel „Anna“ auf den ersten Blick einen unscheinbaren Eindruck macht – für unseren Städtetrip war es ideal, mit einem wirklich reichhaltigen Frühstücksbuffet!

Gegen 14:30 Uhr machten wir uns also auf, um zunächst mal die nähere Umgebung zu erkunden – da wir seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatten, steuerten wir zuerst die Esplanaden und dort das „Kappeli“ an – hier kann man sooo schön drinnen und draußen sitzen, dass man sich tatsächlich aufraffen muss, um weiter zu gehen….Nach der Stärkung durch Kaffee und leckeren Kuchen schlenderten wir an den Ständen auf dem Markt vorbei (hier gibt es ja fast alles – angefangen von Obst und Gemüse bis hin zu dem üblichen Touri-Nepp…zu happigen Preisen!) Richtung „SkyWheel“. Wir entschieden uns dann zu einer „Rundfahrt“ mit diesem Riesenrad – allerdings in einer der „normalen“ und nicht der „Sauna“-Kabine – warm war es ja ohnehin! Mit 13 Euro/Person ist es zwar kein ganz preiswertes Vergnügen, um 3 x herumgefahren zu werden, aber freundlicherweise stoppte das Riesenrad immer ganz oben kurz, so dass wir den fantastischen Ausblick über Helsinki und die vorgelagerten Schären genießen konnten. Da die Kabinen eine blaue Verglasung aufweisen, bekommen die Fotos natürlich auch einen Blaustich – den kann man aber zu Hause aber weitgehend mit einem Bildbearbeitungsprogramm eliminieren, so dass man sich nicht vom fotografieren abhalten lassen sollte!

Anschließend erstehen wir im zugehörigen Shop noch jeweils ein Foto von uns Beiden, das vor Betreten des “SkyWheel” entstanden ist, und gehen danach unterhalb der Uspenski-Kathedrale einen Fußweg, der uns auf die Katajanokka-Halbinsel führt.
Auf dem Weg dahin fallen uns, wie schon an anderen Stellen, gelbe Fahrräder auf, die jeweils an einem ovalen Ständer angeschlossen sind. Hmm…und wie bekommt man die da raus?! Später lesen wir im Internet, dass man sich hierfür zunächst auf der entsprechenden Internetseite registrieren muss, dann einen bestimmten Betrag bezahlt und danach einen Zahlencode übermittelt bekommt, mit dem man die Räder freischalten kann – allerdings darf man dann auch nicht länger als 1/2 Stunde damit fahren, da es sonst Strafe kostet.
Da wir das alles aber zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht wissen, tippen wir nur ein bisschen auf den Zahlentafeln der Räder herum, wobei natürlich überhaupt nichts passiert! So folgen wir dem Fußweg, der uns um die gesamte Halbinsel herumführt und kommen dabei u.a. an der Eisbrecherflotte Finnlands vorbei, die hier in den Sommermonaten festgemacht hat. Und dass der Sommer bzw. der Frühling – die Natur ist hier ca. 4 Wochen hinter der unsrigen “hinterher” – noch nicht allzulange hier Einzug gehalten hat, sehen wir daran, dass das ein oder andere Fahrzeug noch mit Spikes-Reifen ausgestattet ist!

Nachdem wir die Katajanokka-Halbinsel umrundet haben, gönnen wir uns an einem der Stände am Marktplatz noch jeweils einen Cappuccino und können dabei herrlich den an- und abfahrenden Ausflugsschiffen zusehen, die sowohl zur Festungsinsel Suomenlinna als auch zum Zoo ablegen – außerdem gibt es etliche Veranstalter, die von hier aus Rundfahrten durch die Schärenküste anbieten. Unsere ist ja bereits für morgen Vormittag um 10:30 Uhr vorgebucht!
Ganz witzig finden wir die Betonschildkröten, die ihre Aufgabe darin haben, den Autoverkehr vom Hafengebiet abzuhalten.

Wir verlassen den “Kauppatori” in Richtung “Olympiaterminal”, von dem aus die Schiffe der Silja-Line nach Stockholm und Tallinn verkehren; da heute aber anscheinend keine Schiffe mehr anlegen, beschließen wir, durch den gegenüberliegenden Park, vorbei am Design-Museum, zurück zum Hotel zu gehen. Meine Schwester hat so eine tolle App, mit der man die gelaufenen km nachvollziehen kann – an dem halben Tag heute sind es immerhin gut 13 km gewesen! Zwischenzeitlich hat sich ein recht großes Hungergefühl breit gemacht, so dass wir den schräg gegenüber unserer Unterkunft ansässigen Inder aufsuchen und den Tag bei gutem Essen ausklingen lassen.

Tag 2:

Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir zunächst zum Bahnhof, um uns nach Fahrkarten und Abfahrtszeiten der Züge nach Lahti zu erkundigen – die Idee dahinter ist, dort für einen Tag hinzufahren, um sowohl die Skisprungschanzen als auch das vor der größten Sprungschanze liegende Freibad zu besuchen. Der Bahnhof beeindruckt uns mit seiner großen Eingangshalle – zudem wartet er mit Schließfächern auf, in denen wir am Abreisetag unser Gepäck zwischenlagern können! Bis zur Abfahrt unseres Schiffes haben wir noch ausreichend Zeit, um uns noch einmal die Marktstände anzuschauen, die gestern “zu kurz gekommen” sind.

Die anschließende Schiffstour auf der „Kanalroute“ ist beeindruckend – tolle Ansichten Helsinkis von der Seeseite aus, die Bebauung der kleinen Inselchen, die teilweise abenteuerlich schmalen Wasserwege, die das Boot nimmt und das tolle Wetter führen nicht nur zu einem leichten Sonnenbrand, sondern die knapp 2 Stunden „auf See“ haben zu einem kleinen Hungergefühl geführt, das wir – wieder! – im „Kappeli“ mit Kaffee und Kuchen erfolgreich „bekämpfen“!

Unser nächstes Ziel ist die Tempelkirche – wir starten an den Esplanaden und kommen u.a. am „Naturhistorischen Museum“ vorbei, wo wir von zwei Giraffen und einem Elch begrüßt werden.
An der Tempelkirche angekommen, lässt sich von außen kaum erahnen, was für einen fantastischen Raumeindruck den Besucher im Inneren erwartet: die Kupferdrahtkuppel wird von schmalen Betonrippen getragen, durch deren Zwischenräume immer neue Lichteffekte entstehen; dazu spielt eine Pianistin am Flügel, so dass man die wirklich tolle Raumakustik in vollen Zügen genießen kann. Während unseres Besuchs ist es auch nicht allzu voll, so dass wir uns Zeit nehmen, dieses optische und akustische Erlebnis auf uns wirken zu lassen.

Auf dem weiteren Weg zur Insel Seurasaari kommen wir am Sibelius-Monument vorbei, das 1967 zu Ehren von Finnlands wohl berühmtesten Komponisten, Jean Sibelius, durch den Künstler Eila Hiltunen geschaffen wurde. Aber was stellen die über 600 geschweißten und polierten Stahlröhren, die irgendwie an Orgelpfeifen erinnern, denn dar? Ein Blick in den Reiseführer klärt auf: Da Sibelius nie für die Orgel komponierte, sollen die Röhren eher an Baumstämme denken lassen und somit die nordische Natur als Inspirationsquelle für die Musik des Komponisten einfangen. Mit diesem Wissen ausgestattet geht es weiter zur Insel Seurasaari, die mit ihrem Freilichtmuseum, Folkloreveranstaltungen und Schärenromantik einen Kontrapunkt zum Modernismus setzen soll – lassen wir uns überraschen!

Über eine gut 200 m lange Holzbrücke, die 1892 errichtet wurde, gelangen wir jetzt auf die Insel Seurasaari, die den Besucher, lt. Reiseführer, “mit dunkelgrünen Baumkronen, bemoosten Böden und glatt geschliffenen Granitklippen am Meeresufer zum Ausruhen und Träumen” einlädt.

Wir entschließen uns für den außen um die Insel verlaufenden Weg und kürzen dann in etwa bei der Mitte der Insel ab, um zum Freilichtmuseum zu gelangen. Hier sind einige Häuser “bewohnt” – und kosten demzufolge Eintritt. Müssen wir nicht haben und sehen uns nur die “unbewohnten” Gebäude an.

Da wir anschließend der Meinung sind, für heute genug gelaufen zu sein (es sind knapp 15 km!), nehmen wir den Bus in die Stadt und suchen uns in der Fußgängerzone eine nette Pizzeria, um den Tag Revue passieren zu lassen und den folgenden Tag zu planen, der uns nach Lahti führen soll.

Tag 3:

Nachdem wir in den letzten beiden Tagen zu Fuß reichlich Kilometer zurückgelegt haben, hatten wir bereits zu Anfang unseres Städtetrips beschlossen – sofern uns die Zeit dafür bleibt – einen Abstecher ins ca. 100 km entfernte Lahti zu machen.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr günstig und schnell und so gelangen wir innerhalb einer guten Stunde per Bahn von Helsinki nach Lahti. Unser Ziel sind die 3 Skisprungschanzen, die jeden Winter für entsprechende Wettbewerbe genutzt werden – und auch heute sind zwei Skispringer offensichtlich mit Trainingseinheiten auf der rechten Schanze beschäftigt.
Meine Schwester ist als Schwimmtrainerin in Bayern aktiv und begeistert sich auch für den Skisprungsport, so dass diese Kombination hier schon ziemlich unschlagbar ist! Natürlich steht es für sie fest, dass ein paar Runden im Freibad zu absolvieren sind – ich bin dem nassen Element nicht so zugetan und versuche daher mal mein Glück, auf eine der Schanzen zu gelangen. Was auch gelingt – die große Schanze bietet einen Aufzug, mit dem man für satte 8 Euro 1 x rauf und auch wieder runter fahren kann – aber die Aussicht, vor allem einem so herrlichen Tag wie heute ist einfach unbeschreiblich. Hinter den Skisprungschanzen erstreckt sich eine endlose Wald- und Seenlandschaft!

Nach einer Stunde treffen wir uns zu einem Kaffee in der angeschlossenen Cafeteria wieder und besuchen anschließend noch das Skimuseum, das sich im gleichen Gebäude befindet. Es handelt sich um ein kleines, interaktives, aber sehr modern aufgebautes Museum, das seinen Schwerpunkt auf den nordischen Skisportarten und finnischen Skisportlern hat und zudem mit einem Skisprung- und Biathlonschießstandsimulator aufwarten kann – wir haben hier eine knappe Stunde zugebracht, bevor wir uns wieder auf den Rückweg durch die sehr gepflegte Innenstadt zum Bahnhof aufmachten.
Wieder in Helsinki angekommen, suchen wir noch einmal die gleiche Pizzeria wie gestern auf und überlegen dabei, was wir uns morgen Vormittag noch bis zum Rückflug ansehen können.

Tag 4:

Leider sind die knapp 4 Tage schon fast wieder vorbei! Nachdem wir bereits vor zwei Tagen im Bahnhof nach Schließfächern gesehen hatten, bringen wir unser Gepäck heute Morgen erst einmal dorthin und erstehen die Fahrkarten, damit wir später per Bahn zum Flughafen kommen können. Mit 6 Euro/Person sind diese auch deutlich günstiger als die Taxifahrt an unserem Ankunftstag!

Da wir uns inzwischen ganz gut in Helsinki auskennen, können wir auch die Entfernungen und die zugehörigen Gehzeiten einschätzen, so dass wir uns zunächst auf den Weg zur finnischen Nationalbibliothek machen. 1840-1846 gebaut und im Jahr 2016 frisch renoviert – so erstrahlt sie in neuem Glanz und ist – gerade von innen – äußerst beeindruckend und ein unbedingtes „MUSS“, wenn man schon in Helsinki ist.
Im Gegensatz zum ab 1832 gebauten Dom: von außen mit dem davor liegenden Senatsplatz sehr beeindruckend, innen dagegen von zurückhaltender Schlichtheit. Beide Gebäude stammen übrigens von einem deutschen Architekten: Carl Ludwig Engel. In der Bibliothek hätten wir gerne noch etwas mehr Zeit verbracht, aber da wir ja rechtzeitig wieder am Flughafen sein mussten, fiel der Besuch hier etwas zu kurz aus.

Nach so viel Kultur schlendern wir noch einmal über den Marktplatz und trinken einen letzten Kaffee im “Kappeli”, bevor wir per Zug, Flugzeug und Auto wieder wohlbehalten zu Hause ankommen.

 Mavoya auf FacebookMavoya auf Google+Mavoya auf YoutubeMavoya Email